Der Lebensweg
In liebevoller Erinnerung
Helga hat ihr Leben in all seiner Tiefe und Schönheit gelebt. „l am what I am” von Gloria Gaynor beschreibt Helga so wie sie war: ihre eigene besondere Schöpfung: echt, stark und voller Lebensfreude. Damit hat sie ihr gesamtes Umfeld inspiriert.
Helga wurde am 1. April 1972 in Wien geboren. Ihr Vater war Unternehmer, ihre Mutter ist Ärztin. Bruder Peter war drei Jahre alt, als Helga auf die Welt kam. Es war keine einfache Zeit und die Eltern trennten sich. Helga kam zur Familie ihrer Mutter Hana nach München. Bei den Großeltern fühlte sie sich sehr wohl. Mit sechs Jahren wurde Helga nach Osterreich zurück geholt, um in Biedermannsdorf die Volksschule zu besuchen. Die Unterstufe absolvierte sie im Gymnasium St. Ursula in Wien und maturierte an der HLW
Biedermannsdorf. Danach begann Helga das Studium der
Handelswissenschaft an der WU Wien, obwohl sie, wie sie viele Jahre später erzählte, so gerne den Arztberuf, wie ihre Mutter und ihr Bruder Peter, erlernen wollte. Helga war sicher, dass sie eine gute Ärztin geworden wäre.
Für Peter war Helga die beste Schwester, die man haben konnte. Er hatte sie von klein auf bewundert. Sie war immer schon eine starke, taffe Persönlichkeit, die sich viel getraut und ausgelotet hatte. Peter sagt, sie hatten keine einfache Kindheit und Jugend, sie wurden streng, aber nicht ungerecht, erzogen.
Helga hatte als Kind weiterhin guten Kontakt zu ihrem Vater. Sein viel zu früher Tod, Helga war 12 Jahre alt, hatte sie schwer getroffen. Halt fand sie einige Jahre später in ihrer Teenager-Beziehung mit Vali. Sie wurde herzlich von seiner Familie aufgenommen und verstand sich auch sehr gut mit seinen Schwestern Sigrid und Doris. Mit seiner Mutter Rosi hatte Helga viele Jahre, auch nach der Trennung, ein freundschaftliches Verhältnis.
Nach sieben Jahren ging die Beziehung von Helga und Vali zu Ende. Helga war wieder gerne mit ihrer Freundin Schmolli unterwegs und lernte recht bald im K&K in Mödling Roman kennen. Beide leckten da noch an ihren jeweiligen Trennungswunden, doch schon bald haben sie sich ineinander verliebt. Helga und Roman wurden im Fasching 1995 ein Paar und zogen recht schnell zusammen. Nach wenigen Monaten Beziehung war für beide klar, dass sie zusammenbleiben und eine Familie gründen wollten. Ganz bewusst hatten sie gemeinsam die Entscheidung getroffen und die Pille ins WC geworfen. Im August 1997, Helga war 25, hatten sie geheiratet, Wunschkind Philipp kam im Februar darauf auf die Welt. 2,5 Jahre später war mit der Geburt von Wunschkind Maximilian die Familie komplett. Als Helga mit Maxi schwanger war, übersiedelten sie ins Haus nach Biedermannsdorf, das der Jungfamilie von Hana zur Verfügung gestellt wurde.
Als Maxi mit 1,5 Jahren einen schweren Unfall hatte, wurde Helga vom Schicksal einmal mehr hart auf die Probe gestellt. Großes Zittern um Maximilian gab es auch als er 16 Jahre alt war. Er musste wegen seiner starken Skoliose operiert werden. Es war einmal mehr eine harte Zeit. Die Sorgen schweißten Helga und Roman noch mehr zusammen. Sie führten eine sehr gute Ehe. Sie waren so verschieden und passten dennoch so gut zusammen. Helga und Roman ergänzten sich prima. Sie war impulsiv, Roman der Ruhige. Roman stand immer hinter Helga. Sie hatte so gern Vollgas gegeben. Die beiden waren ein großartiges Team, haben immer zusammengehalten und haben einen herrlich ähnlichen Humor, konnten über die gleichen Dinge herzlich lachen. Mit Humor haben sie auch ihre Buben erzogen, wobei Helga die Strengere war, ihr Geduldsfaden war aber nicht immer der längste. Helga hatte ihre ganz klaren Vorstellungen, sie konnte auch resolut sein. Philipp und Maxi wussten aber sehr gut, wo sie bei Helga ansetzen mussten, Konsequenz in der Erziehung war nicht Helgas Starke.
Wann immer sie aber dachte, sie müsse ihre Buben nach außen verteidigen, hatte sie das gemacht. Sie war eine Gerechtigkeitsfanatikerin und eine echte Löwenmama. Da kannte sie nichts. Sie war impulsiv und energisch und legte sich mit allen an, wenn es sein musste. Helga hatte Philipp und Maxi unterstützt, so gut sie konnte.
Mit Helga war es nie langweilig. Das Leben mit ihr konnte auch herausfordernd sein. Sie war auch ein bissl chaotisch. Da landete der Autoschlüssel schon mal im Gulli oder sie schaffte es auch, sich auf einem Parkplatz mit Schranken einzusperren. Sie hatte auch immer wieder ihre Kontaktlinsen verloren und dann ist sie mit Roman auf allen vieren am Boden gekrabbelt, um die Linsen zu finden. Nur ganz selten gingen sie wirklich verloren, die Aufregung war aber jedes Mal groß!
Für Roman war Helga trotz all ihrer Kanten die Allergrößte. Er liebt sie über alles. Ihre Aura, ihre Ausstrahtung, ihre Lebensfreude, ihr Lachen und ihr Humor, all das löste in Roman riesengroße Glücksgefühle aus. Wenn Helga
in den Raum kam, ging die Sonne auf. „Du hast den Raum mit Sonne geflutet”, singt Herbert Grönemeyer, als würde er von Helga sprechen.
Helga hatte mit ihrem strahlenden Lächeln die Menschen immer herzlich empfangen und sie mit ihrer positiven Energie angesteckt.
Helga hatte einen großen, vielfältigen Freundeskreis. Jede einzelne Freundschaft war ihr extrem wichtig. Sie hatte sich mit so vielen Menschen gut verstanden. Schmolli ist ihre längste Freundin, sie kannte sie seit der Schulzeit, Claudia gehörte seit ihrer Beziehung mit Vali zu ihrem Leben und hat auch mit ihr gearbeitet. Ulli hatte sie vor vielen Jahren beim Spazierengehen angesprochen und ist seitdem an ihrer Seite. Auch Nina und Melli sind enge Bezugspersonen und mit Martina ging sie 25 Jahre durch dick und dünn. Sie ist ihre Seelenfreundin.
Helga war im Freundeskreis das verbindende Glied, über sie entstanden viele neue Freundschaften.
Im Freundeskreis war sie sehr beliebt, hatte ihre Freundinnen aber schon auch ein bissl auf die Probe gestellt. Helga war tonangebend. Sie konnte schon auch ein Feldwebel sein. Da gibt es einige Erlebnisse in Hotels oder Restaurants. Sie hatte vehement ihren Willen durchgesetzt. Helga wollte den besseren Tisch oder, dass das Frühstück über die dafür vorgesehene Zeit serviert wird. Da rief die Langschläferin öfter an und erklärte dem verdutzten Service-Personal: „Lassen Sie ja das Frühstücksbuffet stehen, ich komme jetzt. “
Sie war auch eine notorische Zuspätkommerin. Nicht 10 oder 15 Minuten – für sie waren 1,5 Stunden durchaus im verträglichen Rahmen – Termine hatte sie auch gern erst verschoben und dann ganz abgesagt. Das sorgte schon das eine oder andere Mal für Knatsch. Doch lange böse war ihr niemand. Helgas Verspätungen hatte man im Freundeskreis schließlich einfach einkalkuliert.
Holga war ein lebensbejahender Mensch, Jedes Treten, jede Party, leden Urlaub hatte sie genossen. Wichtig waren ihr auch ihre verschiedenen Mädelstreffen. Eine Runde sind die „Fettfighters”, wie sich die Damen selbst nennen. Helga hatte die Weight Watchers in ihrer Praxis einquartiert. Die Freundinnen nahmen regelmäßig an den wöchentlichen Kursen teil und gingen danach jedes Mal zum „Wildenauer”, Helgas zweitem Wohnzimmer, essen – natürlich Weight Watchers konform. Aus dieser Gruppe heraus entwickelte sich der Mädls-Stammtisch.
Besonders wichtig war für Helga auch die Clique rund um Martina, Doris, Sandra, Xandi, Uschi und deren Männern. Mit ihnen hatten Helga und Roman viel unternommen und gerne gefeiert. Auch mit Romans Geschwistern Bettina und Dieter hatte Helga sehr gerne Zeit verbracht, mit ihren Buben Maxi und Philipp und seiner Frau Kerstin sowieso. Kerstin war auch eine ihrer Mitarbeiterinnen. Sie erzählt, dass ihr Helga unzählige Chancen gegeben und sie vom ersten Tag an wie ein Familienmitglied behandelt hatte. Durch Helgas Vertrauen und ihre Unterstützung konnte Kerstin wachsen, wofür sie ihr immer dankbar sein wird. Helga war auch eine echte Kupplerin. Sie ließ nichts unversucht, Philipp und Kerstin zusammenzubringen. Und es gelang.
Dass Philipp und Kerstin Helga mit 48 Jahren zu einer jungen Oma machten, war zunächst ein Schock. Doch Jodie eroberte Helgas Herz im Flug. Die Liebe zwischen den beiden ist unermesslich. Jodie vermisst ihre Oma sehr und spricht oft von ihr.
Helga war auch eine tolle Tante. Leonie und Marie haben gerne bei ihr übernachtet und Helga verwöhnte sie mit Kakao und Marmeladenbrot, ihrem sensationellen Gulasch, machte mit ihnen Cabrio-Ausfahrten, ging mit ihnen shoppen und schenkte ihnen das allererste Lippgloss. Auch für Valerie, Kathi und Felix sowie Laura, die Tochter von Alexander Fink vom „Wildenauer’s”, war Helga wie ein Augenstern. Dass Helga nicht die allergrößte Köchin war, machte genau gar nichts. Ihr Gulasch war dennoch legendär und wird unvergessen bleiben. Jedes Fuzele Fett hatte sie weggeschnitten und das Fleisch stundenlang schmoren lassen. Ansonsten war sie wohl der beste Gast beim „Wildenauer.” Helga war enorm gastfreundlich und unternehmenslustig. Sie war ein Genussmensch. Sie trank ganz gern ein Glaserl Wein oder Prosecco und Kaffee. „I need coffee!” Sie bestellte immer einen Cappuccino und einen Espresso und leerte beides zusammen.
Helga und Roman tickten auch im Urlaub gleich – genießen – stundenlang aufs Meer schauen und dabei Oliven essen – nur ja kein Stress und bitte keine Ausflüge. Im Urlaub war Entspannen angesagt.
Roman zuliebe besuchten sie viele Jahre die Starnacht am Wörthersee und in der Wachau. Helgas Musik war das eher nicht. Und trotzdem war sie voll und ganz dabei und genoss so viele Wochenenden auch mit Gabi und Harald sowie Doris und Martin. Helga liebte die Musik von Madonna, Whitney Houston, Tina Turner oder Gloria Gaynor. Sie war eine echte Partymaus.
Musik an – und Helga war schon auf die Tanzfläche gesprungen und hatte mitgesungen. Ihre Lebensfreude war riesig und mitreißend.
Helga wusste zu feiern – sie konnte aber auch richtig hart arbeiten. Etliche Jahre hatte sie Jobs neben dem Studium, sie jobbte bei der AUA, bei einem Steuerberater, bei einer Kreditversicherung oder auch beim ORF und sogar bei lkea. Da war aber nichts dabei, was sie richtig erfüllte. Sie haderte auch damit, dass sie ihr Wirtschaftsstudium nicht abschloss. Sie war sprunghaft und schnell zu begeistern, an Durchhaltevermögen mangelte es ihr aber. Bis zu dem Moment, als ihr klar wurde, dass sie das, was ihr privat schon so wichtig war, zu ihrem Beruf machen wollte. Helga war immer ausgesprochen adrett und achtete auf ihr Aussehen. Ungeschminkt sein, ging für sie gar nicht. Gepflegt und Mode bewusst sein und gut ausschauen waren ihr enorm wichtig. Sie hatte auch regelmäßig mit Doris zu Hause ihre Fitness trainiert.
Helga entschied sich dazu, sich Mitte der 2000er zur Kosmetikerin ausbilden zu lassen. Sie zog die Ausbildung ratz fatz durch, richtete sich im Haus ein Kosmetikstudio ein und wurde richtig erfolgreich. Dass Helga ihre Kosmetik-und spater die Pedikure-Ausbildung so erfolgreich und schnell absolviert hatte, machte auch ihre Mutter stolz.
Helga war auch eine Visionärin, sie überlegte weitere Standorte zu eröffnen, hielt bei Pharmafirmen Vorträge für Ärzte, stellte im Laufe der Zeit Mitarbeiterinnen ein, darunter Gabi, Kerstin, Dora und Edith. Sie erweiterte ihre Kosmetikpraxis mit den Frisörinnen Kim und Margit, mit Masseurin Gyongyi, Physiotherapeut Thomas und seinem Team. Alexandra übernahm das Permanent Make up und Ulli ist für die kosmetischen Unterspritzungen zuständig. Full-Service. Das Geschaft floriert. Kerstin verspricht alles dafur zu tun, das Geschäft in Helgas Sinn weiterzuführen.
Helga war beruflich angekommen. Sie arbeitete die erste Zeit sieben Tage die Woche, so sehr taugte ihr der Job. Sie war richtig happy. Parallel dazu hatte sie auch in Peters Arztpraxis als Ordinationsassistentin gearbeitet. Ein Job, den sie ebenfalls sehr mochte.
In ihrer Freizeit konnte sich Helga richtig vertiefen. Sie hatte gerne gelesen und Krimis geschaut: Columbo, Agatha Christie, sie liebte Dokumentationen und Dallas.
Ein großes Herz hatte sie auch für ihre Hunde. Peggy, der Pekinese, Assie, der Schäfermischling und Ilvie, alle drei hatten Helgas Herz erobert.
Besonders Ilvie hatte sie heiß geliebt. Sie war überhaupt der Star der Borromäum-Straße.
Helgas Beziehung zu ihrer Mutter war generell schwierig. Es hatte Helga sehr getroffen, dass ihre Mutter die Gesellschaftsanteile nicht an sie, sondern an Peters Frau übertragen hatte. Das machte die Beziehung zwischen Mutter und Tochter um nichts einfacher.
Vier Jahre ist es jetzt her, dass das Schicksal unbarmherzig zugeschlagen hatte. Helga bemerkte einen Knoten in der Brust und setzte alles in der Sekunde in Bewegung, um eine Diagnose zu bekommen. Diese war niederschmetternd. Krebs, der bereits Metastasen in den Lymphknoten gebildet hatte. Davon wollte Helga nichts wissen. Für sie war klar, sie kämpft – einmal mehr wie eine Löwin. Sie unterzog sich Chemotherapien und gab niemals die Hoffnung auf. In diesen vier Jahren gab es Höhen und Tiefen. Die guten Zeiten nutzte sie, um ihr Leben weiterzuleben. Sie reiste – mit Roman, mit ihren Freundinnen, sie unternahm sogar Fernreisen auf die Malediven oder nach Kanada. Sie gönnte sich Auszeiten in Griechenland oder in Apulien. Auch wenn es sie viel Kraft gekostet hatte, sie gab ihr Bestes, schaute weiterhin penibel auf ihr Äußeres, sah gut aus, strotzte vor Zuversicht und lachte so oft sie konnte. Nach jedem Rückfall stand sie wie Phönix aus der Asche auf. Es schien, als konnte sie alle Strapazen gut wegstecken. Helga war – nach außen – gut gelaunt. Sie war zutiefst überzeugt, dass sie den Krebs besiegen wird. Es hatte lange Zeit auch danach ausgeschaut. Doch im heurigen Februar hatten sich die Metastasen rasant ausgebreitet. Helga blieb zuversichtlich. „Ich lebe jeden Tag, so wie er ist. Ich führe eine glückliche Ehe, habe zwei großartige Kinder, bin eine glückliche Oma und fühle mich in meinem Freundeskreis so gut aufgehoben.
Es gibt nichts, was ich bereue.”
Als sie von der Schulmedizin aufgegeben wurde, schöpfte sie erneut große Hoffnung. Sie bat Peter um Hilfe und er war für seine Schwester da. Dafür war Helga ihm sehr dankbar. Roman hatte alles für Helga getan. Er war in jeder einzelnen Minute ihr Fels in der Brandung. Ihr habt euch auch in den schlimmsten Phasen gemeinsame kleine Auszeiten genommen, wie das Frühstücken bei Lingenhel. Das hattet ihr richtig genossen.
Maxi unterstützte Roman und Helga, wo er konnte. Er hatte sich rührend um seine Mama gekümmert. Philipp war ihr ebenfalls ein großer Halt. Er hatte die großartige Gabe, Helga immer und immer wieder positiv aufzubauen.
Und auch ihre Freundinnen standen Helga Tag und Nacht zur Seite.
Helga blieb bis zu ihrem letzten Tag stark und tapfer. Mitte September war sie, wie jedes Jahr, mit Roman in der Wachau. Sie betreute sogar ihre Lieblingskunden bis zwei Wochen vor ihrem Tod. Sie hatte sich auch für ihren letzten Besuch noch mal richtig schick gemacht und ihren Humor hatte sie zu keinem Zeitpunkt verloren.
Es war am Montag, dem 14. Oktober, als Helga zeitig in der Früh Roman gerufen hatte. Sie saß am Bettrand und Roman half ihr, sich wieder hinzulegen. Wenige Minuten danach schloss sie für immer ihre Augen. – Helga war unglaublich tapfer und eine Kämpferin bis zur letzten Minute. Sie starb viel zu früh mit 52 Jahren. – Das Leben kann so unfair sein.






















































